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Herausforderung aktives Zuhören in der Gesprächsführung

Menschen, die nicht zuhören können, werden selten das Vertrauen der Anderen gewinnen, denn fehlende Aufmerksamkeit ist letztendlich nichts anderes als ein gezeigter Mangel an Wertschätzung.

Insbesondere bei Menschen die wir mögen und die uns interessieren werden wir fast wie von selbst, zu einem guten Zuhörer. Geradezu instinktiv hören wir genau hin, fragen nach und reagieren auf das Gesagte. Wir zeigen Interesse, stellen uns auf unseren Gegenüber ein und spüren, was zwischen den Zeilen vor sich geht. Das Ganze wird von unserer Körpersprache, die Offenheit signalisiert, nochmals unterstrichen. Dadurch gewinnen wir die Sympathie und schließlich das Vertrauen, wir zeigen dem Gegenüber unsere Wertschätzung.

Was uns häufig vom echten Zuhören abhält, ist die antrainierte Eile und der Drang, Tempo zu machen und wir warten nur darauf, endlich selbst wieder zu Wort zu kommen. Dies wird noch dadurch forciert, dass der Mensch ca. siebenmal schneller denkt als er spricht. Wir neigen dazu, in unseren Gedanken vorauszueilen und abzuschweifen, während wir eigentlich noch zuhören sollten und projizieren unsere eigenen Gedanken und Schlussfolgerung in das Gesprochene hinein. Die innere Stimme sagt dann bspw: "Ich weiß schon, was der wieder will." Wir stecken den Sprecher in eine Schublade und meinen, sowieso schon alles zu wissen.

Zuhören ist dabei weniger eine Frage der Technik, sondern vielmehr eine Frage des Einfühlungsvermögens. Nur wer innere Bereitschaft und Aufgeschlossenheit mitbringt, kann ein guter Zuhörer sein. Durch fortwährendes Reden übertünchen wir häufig die eigene Unsicherheit. Daher wird gerade mit dem Mut zum Schweigen, die eigene Stärke demonstriert.

Dabei ist das Schweigen und (Zu-) Hören ein sehr wichtiger Bestandteil der Kommunikation. Es fällt uns schwer, dem Drang zum Sprechen zu widerstehen, uns abzubremsen und schweigend zuzuhören. Sprechpausen können wir oftmals nur mit Unbehagen aushalten. Jedoch gerade in dieser Sprechpause erzählt mir mein Gesprächspartner häufig gerade etwas sehr Wesentliches, was er sonst nicht gesagt hätte.

Praxistipps für aktives Zuhören:

Die nachfolgenden Ratschläge wurden von dem amerikanischen Psychologen Carl R. Rogers entwickelt, es handelt sich um sehr wirkungsvolle Methoden zum aktiven Zuhören. Grundsätzlich ist jedes Gespräch geeignet, um die Ratschläge in der Praxis zu erproben und so zu einem guten Zuhörer zu werden. Die Bereitschaft zum Zuhören bringen Sie jedes Mal erneut selbst mit.

  1. Paraphrasieren
    Geben Sie die Kernaussagen des Gehörten mit eigenen Worten wieder. So zeigen Sie, dass Sie zugehört haben und stellen zugleich sicher, dass alle Inhalte richtig verstanden worden sind.
  2. Verbalisieren
    Viele Aussagen eines Gesprächs finden wir zwischen den Zeilen. Manchmal kann oder will ein Gesprächspartner bestimmte Punkte nicht direkt ansprechen. Versuchen Sie die Worte für das eigentlich Gemeinte zu finden. So wird nicht um den heißen Brei herum geredet, sondern das Wesentliche angesprochen. "Es ärgert Sie also, dass...". "Sie freuen sich über ...".
  3. Nachfragen / Fortführen
    Auch hier helfen Sie Ihrem Gesprächspartner. Nehmen Sie den Gesprächsfaden auf und führen Sie den Gedanken fort. Fragen Sie nach, wenn Sie weitere Details benötigen oder Ihnen das Gesagte zu schwammig erscheint. Aber beachten Sie, dass auch Fragen nichts nützen, wenn wir uns die Antworten nicht anhören. Reißen Sie das Gespräch nicht an sich.
  4. Zusammenfassen
    So wie in einem Zeitungsartikel unter dem Titel der Inhalt in geraffter Form erscheint, kann bei Gesprächen das Gehörte mit wenigen Worten zusammengefasst werden. Damit wird sichergestellt, dass sich der Gesprächspartner auf der gleichen Informationsstufe befindet.
  5. Klarheit
    Für jedes Gespräch ist wesentlich, dass beide Seiten auch das Gleiche meinen und vom Selben sprechen. Die spätere Feststellung: "Da haben wir wohl aneinander vorbei geredet", ist immer sehr unbefriedigend. Dinge, die missverständlich oder zweideutig verstanden werden könnten, sollten in Zweifelsfällen immer durch Fragen geklärt werden.
  6. Abwägen
    Gespräche sind facettenreich und behandeln oft mehrere Themen oder Aspekte zugleich. Wägen Sie ab, welches die relevanten Punkte sind, und helfen Sie ihrem Gesprächspartner ebenfalls abzuwägen: "Was sollte zuerst geändert werden, X oder Y?"

Widmen Sie sich Ihrem Gesprächspartner nicht nur äußerlich, versuchen Sie sich in seine Lage zu versetzen und seine Perspektive zu verstehen. Wenn Sie für seine Belange aufgeschlossen sind, sich mit ihm freuen und leiden, zeigen Sie, dass Sie sich für ihn interessieren. Halten Sie Blickkontakt und demonstrieren Sie damit, dass Sie ganz Ohr sind. Wenn Sie ein guter Zuhörer sind, wird man Ihnen Vertrauen schenken und gerne auf Ihre Meinung hören.

Das Gelingen einer guten Kommunikation hängt wesentlich vom Zuhörer ab. Erst wenn ich weiß, was andere denken, wie ihre Meinung, ihre Stimmung ist, kann ich abwägen und mein Verhalten der jeweiligen Situationen anpassen und Gespräche souverän und sicher führen.